Samstag 23. April 2011 Arlesheim - Cajarc
Wetter: sonnig, wenig bewölkt
Arlesheim – Paris – Cajarc
5.52 ab Basel. In Mulhouse Ville umsteigen auf den TGV. Der Zug war recht voll. Ich fühlte mich eingeklemmt, Kinder schrien, es wackelte. Der Knackpunkt war Paris. Ankunft 9.34. Bahnhof wechseln Paris East – Paris Austerlist. Métro 5 Richtung Place d’Italie. Alles habe ich vorbereitet, was ich nicht vorbereiten konnte – die vielen Leute wegzuzaubern. Sie standen Kolonnen an den Billetteautomaten. Ich blieb ruhig, sauste, nachdem ich das Billette für 1.70 Euro hatte wie ein alter Hase durch das unterirdische Labyrinth. Ich schaffte es rechtzeitig, fand den Zug, natürlich der vorderste Wagen, Nr. 88. Der Zug fuhr aber 40 Minuten später ab, da die Lok noch fehlte. Entspannen, vor mich hin dösen, durch die Landschaften sausend. Rapsfelder, Ginsterbüsche die blühten, alles grün. In Cahors kam ich um 15.55 an. Nun hatte ich Zeit, meine Beine zu vertreten. Die Altstadt anzusehen. Ich kam mir komisch vor mit meinem Aufzug, noch bin ich nicht bei den Pilgern angelangt. Ich sah zwar einige, aber wir kamen nicht in Kontakt.
Meine Stimmung schwankte. Ich habe den Durchbruch noch nicht geschafft. Bin zwischen zwei Welten – höre langsam das Französisch wieder. Ich fand die Cathédrale St. Etienne mit dem Kreuzgang, die Kapelle, die Altstadt. Wunderschön.
Ich blieb fremd. Rechtzeitig ging ich zum Bahnhof auf den Bus, der mich nach Cajarc brachte. Ich traf auf andere Pilger – unfreundlich, einer belächtelte mich – nun ich liess es stehen. Die Busfahrt war wunderschön. An Kalkfelsen entlang – der Lot hat sich seinen Weg gebahnt, Hausboote, es erinnerte mich an Irland. Trotzige Mauern und Schlösser wachten über der ganzen Landschaft. Ich atmete alles ein.
Die Strasse war recht eng, es gab Staus. Wegen einer Hochzeit. Dann hatte der Bus eine Panne. Rallyautos überholten, suchten ihre Rennstrecke. Dieser Tumult, soviel ist los. Am Schluss vergass der Fahrer fast, mich in Cajarc aussteigen zu lassen. Ich fand nicht gleich den Weg, aber dann erinnerte ich mich wieder. Jetzt hatte ich enorme Kopfschmerzen. Ich checkte ein und bekam mein Bett. Vertraut und doch mit Wehmut verbunden, hier hatte ich letztes Jahr meinen Holländern tschüss gesagt. Ich spazierte durchs Dorf, kaufte noch ein wenig ein – Brot gab es keines mehr. Zurück im Gîte, begann ich französisch zu reden, Unterkunft vorzubestellen. Ass mit einem alten Herrn mit Schwägerin am Tisch. Traf noch eine Deutsche, die heimgeht. Spannend. Ich habe vor, kleinere Etappen zu laufen. Ich nehme mir die Zeit und bin dann auch nicht mehr so kaputt am Abend. Mein Kopf schmerzt. Langsam tauche ich ein.
Sonntag, 24. April 2011 Ostern Cajarc - Varaire
Wetter: sonnig, wenig Wolken / 25 km
Cajarc - Gaillac – Limogne-en-Quercy - Varaire
Eine unruhige Nacht, Pilger, die spät heimkamen, Männer, die Wälder sägten. Neben mir ein Franzose, sehr angenehm, philosophisch. Am Morgen machte ich meine Übungen.
Langsam bewegten sich die Leute. Das Frühstück, ich nahm es an einem anderen Tisch ein. Der erste war schon besetzt. – sie kannten sich alle.
Ich habe geträumt. Zwei Familien. Die Pilger und ein Mann in meinem Bett. Er übergab sich. Ich lief zu Thomas, kannst du helfen? Dann die andere Gruppe, die Pilger – ich gehörte nicht zu ihnen.
Ich machte alles bereit und lief mit einer Gruppe los. Der angenehme Franzose, Paul, Professor, lief mit mir. Er zeigte mir wieder, auf was ich achten muss, damit ich die Jakobswegzeichen wieder sehe. Er zählte mir die Pflanzen auf französisch auf. Er unterstrich seine Aussagen mit Sprichwörtern aus der Literatur, was für mich mit meinem Französisch eher schwer war. Und dann zog er los mit seinem Marschtempo. Danke für den Einstieg.
Ich kam bei mir selber an. Das war nicht mehr lustig. Es begann zu kneifen, zu schmerzen, die Schuhe nicht gleich gebunden. Ich schwitzte – meine Blase war voll. Ich war voll beschäftigt, mich zu spüren – und es tat weh. Vögel, Lerchen zwitscherten mir in die Ohren. Eine karge Landschaft, viele Trockenmauern, Kühe, Esel weiss gefleckt, Schafe.
In Mas de Game stand plötzlich ein Mann neben mir.
Ich war am Mohn fotografieren. Er betreibt ein Gîte la hulotte und war am Spazieren. Er fragte mich, ob ich im Gîte einen Kaffee trinken möchte. Gut, ich muss nicht rennen, aber vertrauen. Wir wanderten zusammen zum Gîte. Er zeigte mir die Zimmer – alles selber umgebaut. Fantastisch, eine alte Farm, die chambres orange, rouge, jaune. So liebevoll jedes Detail. Leider kommen nicht so viele Pilger hier vorbei – aber so 1000 im Jahr. Er macht es das 8. Jahr. Er offerierte mir auch Toast mit Konfi. Wau, ein Engel, der mir die Pause verschafft. Ich bedankte mich herzlich und ging weiter. Ich brauche keine Hintergedanken zu haben. Es ist einfach gut.
Kurz darauf hielt ich nochmals an, verdrückte meine Sandwiches, einen Apfel. Ich begegne verschiedenen Pilgern. Zwei Frauen, heftig unterwegs, einen alten Mann, gemütlich gehend. Oh, schon wieder ein TGV – Pilger. Ja, ich bin strammer unterwegs, aber ich lerne die Langsamkeit. Nur, wenn die Müdigkeit dann zu gross ist, macht es weh. Meine Hüften, mein Rücken, meine Füsse. Es wurde eine Tortour. Ein kurzes Stück war ich nicht mehr sicher, ob ich auf dem richtigen Weg war. Adrinalinausstoss – Aber ich kam in Varaire um 15.30 Uhr an. Angenehm. Es genügt für heute.
Zwei Franzosen, der eine gut gebaut auf den Knochen, der andere mit mir redend. Wie ich vermehrt Pilger treffe, die mich ablehnen!? Ich duschte, wusch Unterwäsche und Socken. Meine 1. Blase, meine Hüfte schmerze. Im Wintergarten traf ich eine andere Pilgerin. Und die zwei von der Herberge. Mann und Schwägerin Odette (fast ohne Gepäck).
Das Eis brach. Wir begannen zu reden. Cécile machte auch noch Fotos. Wir warteten, bis wir um halb acht essen konnten. Ein Megamenü.
Brotgemüse Suppe
Salat mit Ei und Wurst
Erbseneintopf mit Kalbfleisch
Gegrilltes Huhn
Käse mit Brot
Fruchtsalat mit Guetzli
Dazu Wein Wasser und Brot
Es wurde ruhig am Tisch, alle assen hungrig. Wau, ich habe mein Bäuchlein gefüllt. Mit sieben Franzosen am Tisch. Ich verstand nicht alles, aber viel. Eine gemütliche Runde.
Montag 25. April 2011 Ostermontag Varaire - Cahors
Wetter; sonnig, wenig bewölkt 32 km
Varaire – La Plane – Dories Basses – Bach – Mars de Vers – Pech – Cahors
Ein kleines Zmorge, Brot, Konfitüre, Tee, Orangensaft. Alles zusammenpacken und los gings. Cécile und ich liefen zusammen. Jaqueline + Bernadette (Quebec) gingen später, Odette und Joseph gingen in ein Kloster – ein Tag Erholung. Patrick nahm einen anderen Weg. Die ganze Gruppe zersplitterte. Landschaft, Nebel, Stille. Wir sahen 4 Rehe. Verzaubert wanderten wir weiter. Am Anfang hatten wir ein gutes Tempo. Patrik begegnete uns wieder für eine kurze Zeit. Dann nahm er wieder einen anderen Weg. Cécile und ich hatten das ähnliche Tempo. Marathonläufer überholten uns, sie laufen 60 km pro Tag, haben Verpflegungsstationen auf dem Weg. Wir begegneten Jean auf dem Weg, er ist von Fissac und konnte uns viel erzählen. Er zeigte uns Trüffelfelder. Trüffel wachsen an einer bestimmten Art Eiche. Früher suchten die Schweine die Trüffel, nur assen sie zum Teil auch davon. Heute setzen sie Hunde ein, die spüren sie nur auf. Cécile und ich; manchmal erzählten wir aus unserem Leben, dann liefen wir wieder in Stille. Es wurde schnell wärmer. Die Sonne brannte. Wunderbare Blume, Gerüche. Wir wurden Teil der Natur. Dann sahen wir wieder Jean. Er zottete weiter. Rote Erde wie in Afrika. Natur. Wir trafen wieder Jacqueline und Bernadette. Wir sind als Familie unterwegs. Zwischendurch brauchte unser Körper wieder Zucker. Dörrbananen, Fruchtschnitten. Den Mittag setzten wir spät an, Jean war dort, seine Füsse am verlüften, die Sohle voller Blasen. Er gab mir Brot ab, so hatte ich zu essen. Ein Ei von Cécile, sehr gut. Als wir losliefen, fiel sie über eine Wurzel, stiess sich am Kopf, benommen stand sie auf, wurde langsamer, ich gab ihr Notfalltropfen. Langsamer ging es weiter, noch heisser wurde es. Immer wieder begegneten wir J. und B. Den Rest des Marsches bewältigten wir zusammen. Ein steiler Abstieg nach Cahors. Es wollte nicht mehr aufhören. Nach jedem Rast war das Loslaufen wieder sehr schwierig. Wir schafften es. Ein Gewitter zog auf, wir kamen vorher an. Anfangs Stadt empfing uns der Pilgerbetreuerteam mit Infos und Erfrischung. Wir bekamen etwas zu trinken. Die letzten Meter zu Relais des Jacquobais. Jean war schon da, Danny ihre Freundin hatte Krämpfe, Ischiasnerv, hatte ausgesetzt und ist jetzt wieder dabei, aber immer noch mit Schmerzen. Den Rucksack mussten wir in der Garage lassen wegen den Viechern, der Hygiene. Duschen, Kleider waschen. Blasen verpflegen. Spaziergang zur Kirche, da trafen wir wieder Paul, der Philosoph. Cécile war vertieft in die Bauten. Zurück zum Essen, wir waren 11 Pilger, Serge und Hélène betreuten das Gîte.
Suppe
Lasagne mit Salat
Käse
Fruchsalat mit einem Schuss Alkohol
Dazu Brot und Wein
Schöggeli und Tee/Kaffee
Ich lernte eine Schweizerin aus Liestal kennen, Elisabeth, zwei Elsässerinnen von St. Louis und Grenzach.
Wir sind eine grosse Familie, alle auf unserem Weg. Es war sehr gemütlich und heimelig. Ich bin sehr dankbar.
Dienstag 26. April 2011 Cahors - Lascabanes
Cahors – Coroix de Magne – La bastide – Marnhac – Lascabanes
Wetter; sonnig 26 km
Jean führte uns aus Cahors. Danny dicht auf den Fersen. Fotografieren auf der Brücke, steiler Aufstieg. Danny und ich gingen voran. Cahors von oben und weiter gings nach Labastide. Jean lief nicht mehr wegen seiner Blasen. Er hatte die ganzen Füsse voll. Danny, Cécile und ich liefen, schauten auf die Zeichen, machten Halt unter einer Eiche. Auftanken, Schultern entspannen, Füsse verlüften. Dann ging es weiter. Es war ein hin und her im Wald. Plötzlich stand Paul auf dem Weg. Jetzt haben wir ein Problem. Er war 1 ½ Stunden später losgelaufen und wir sind immer noch hier, wieder in Richtung neuer Strasse. Wir konnten es nicht glauben. 7 km im Kreis gelaufen. Wo liefen wir falsch? Wir gingen zurück mit ihm. Es war doppelt eingezeichnet. Schlussendlich erreichten wir Labastide. Cécile und Danny voll entnervt. Nun, es ist so wie es ist. Besonders Cécile, ausgerüstet mit Höhenmesser, Kilometerzähler, Stundengeschwindigkeit – und doch hat sie sich verlaufen.
Ich wünschte heute, nicht zu früh im Gîte anzukommen. Jetzt haben wir mehr Kilometer gemacht. Ich fand ein Hemd, packte es ein, das gehört einer Pilgerin. Bei der Kirche assen wir unseren Lunch. Jean kam dazu. Er kann kaum noch gehen. Auch er hat sich verlaufen – und später erfuhren wir, dass auch Elisabeth sich verlaufen hatte. Nach dem Schock gingen wir weiter. Danny nahm die Strasse, evt. macht sie Autostopp. Cécile und ich gingen los. Es war heiss, es war lang, es war eine Tortour, und meine Sehne beim linken Knie begann zu schmerzen. Es schlug mir auf den Magen. Endlich kamen wir an, zerschlagen, in Trance. Wählten Chambre d’hotes. Die andern Freunde gingen alle ins Gîte d’Etappe. Wir kamen in ein Zimmer von zwei Franzosen Philippe und Michel. Nach dem Duschen lebten wir wieder. Suchten das andere Gîte auf, es war eine Messe für die Pilger. Wir nahmen teil, und uns wurden die Füsse gewaschen. Alle da. Berührend, es ging tief ins Herz. Zurück zum Gîte:
Suppe
Poulet an Essigsauce mit Bulgur
Crème geschichtet mit Biscuit
Wein und Wasser
Zwei Inder, auch Pilger, assen das Menu. Später tranken wir noch ihren Wein. Phillipe und Michel kochten selber. Zwei andere Pilger schluckten zuerst Pillen und Pulver in Schüsseln, bevor sie doch noch Teigwaren assen. Wir hatten Gespräche über den Weg, über Frankreich. Gemütlich. Vom Wein wurden wir müde und waren bald im Bett.
Mittwoch 27. April 2011 Lascabane - Lauzerte
Wetter; sonnig 23 km
Lascabane – D4, Montcuq – Berty – Mont Lauzun – Pech de la Rode – Lauzerte
Es war ein Schnarchkonzert, aber daran muss ich mich gewöhnen. Unglaublich, ich habe so einen leichten Schlaf, aber der Körper kann sich doch erholen und am Morgen kann ich gestärkt weiterlaufen. Wir waren als Letzte am Essen. Alle speedeten los. Ich hatte Bedenken mit meinem linken Knie. Wir gingen zum anderen Gîte und ich kaufte noch eine Salami. Paul Danny, Cécile und ich. Wir wanderten in den Morgen. Frische Luft, Freiheit. Wir machten Witzchen und lachten herzhaft. Die Sonne kam. Der Kuckuck rief. Wir kamen gut vorwärts. Wunderschöne Blumen, Leinenfelder blau, ein Reh. Danny und Paul liefen schneller. Wir trafen auch Jean, er litt wirklich. In Montcuq wird er Autostopp machen. Montcuq – ein schönes Städtchen. Wir trafen alle, auch Jean. Er geht in die Pharmacie. Wir bestaunten alles. Ich kaufte noch Gemüse. Und dann ging es weiter. Ein lauschiges Plätzchen zum Essen. Wir hatten wirklich Hunger. Wurst, Käse, Brot, Tomaten, Ruebli und eine Orange. Jetzt ging es wieder besser. Es hatte einige Aufstiege, die Sonne begann zu brennen. Wir wurden langsamer, hatten aber nicht so ein grosses Pensum, also nahmen wir es gelassen. Immer wieder hatte es Gruppen von Pilgern – sie häufen sich. Wir reservierten im Gîte ohne repas. Komisch für mich. Lasse ich mich überraschen. Es war ein sehr steiler Abstieg. Wir kamen nach Lauzerte. Könnten wir noch einkaufen, sonst müssen wir wieder den Hügel runter. Wir trafen Paul und Danny, mit dem Inhaber des Gîtes. Er nahm unsere Rucksäcke und wir konnten auch einsteigen. Das Gîte ist aussen noch im Rohbau, aber innen alles neu und schön, wie in einem Hotel. Wir jubelten, dass wir das letzte Stück nicht mehr laufen mussten. Unsere Beine waren müde. Wir bekamen einen Sirup Menthe zur Begrüssung. Unser Zimmer mit Tulpenvorhängen, weiss, pink gehalten. Elisabeth, Danny, Cécile und ich. Eine Dusche, Wäsche waschen. Wir schauten Lauzerte an, Cécile, Paul und ich. Eine Festung, wunderschöne Häuser, aber einige im Abbruch, zum Verkauf, leergefegt. Sie renovieren die Strasse mit Kopfsteinpflaster. Zurück, begannen Paul und Jean für uns zu kochen. Es waren viele Pilger in der Gîte, wir waren sicher 20 Leute im Saal. Nur unsere Gruppe kochte selber.
Salat
Hörnli mit Hackfleisch
Käse
Joghurt
Wein, Wasser Brot
Das Ganze kostete uns 4 Euro, das ist sehr günstig. Wir hatten es lustig. Der Rest der Pilger erhielten das Delikatessenmenu. Danny versuchte auch das andere Essen. Sie hat ständig Schmerzen, geschwollenes Bein, heute hat ihr ein Pilger Licht gegeben. Sie bekommt Salben und Öle. Eigentlich müsste sie aufhören, aber sie will bei der Gruppe bleiben. Marc und Paul kamen sich aus ideologischen Gründen noch in die Haare. Ein Konflikt brach aus. Ich sass dazwischen, Zeit für mich, aufzustehen. Marc hat alles und kann alles. Soll 7 Kinder haben, Chef von Chef sein. War mal gelähmt und wieder fit. Nun, was davon stimmt, weiss ich nicht. Er wirkt nicht in sich ruhend. Hängt sich Pilgern an, wäre eigentlich zu schnell, wartet dann wieder. Seltsam.
Es wurde schnell ruhig im Gîte. Friede. Gehalten sein, nicht davon rennen. Grücklich, dankbar.
Donnerstag 28. April 2011 Lauzerte - Moissac
Wetter; sonnig 24,5 km
Lauzerte – D 57 – L’auberge de Aube Nouvelle – Durfort – ferme de Carbonnières – Gal de merde – Moissac
Ich machte meine Übungen – langsam kam Bewegung in das Ganze. Wir assen um 7 Uhr, Jogurt, Baquettes, Konfi, Orangensaft, Tee.
Wir verabschiedeten uns und gingen los auf den Weg. Frische, Sonne, Freiheit. Langsam ging es los. Aber ich schoss zu schnell los, schon bald verpasste ich wieder die Zeichen. Meine Kamera ging nicht mehr, war die ganze Nacht auf on. Ich versuchte es mit dem Telefon – fand das Zoom nicht – regte mich so auf über die Technik. Einmal mehr war ich ihr ausgeliefert. Wir sahen einen Hasen. In einer Kapelle läutete ich die Glocken. Elisabeth hatte hinein geschrieben. Weiter ging’s hinauf und hinunter. Viele Felder, Plantagen mit Zwetschgen, Pfirsiche. Pferde auf der Heide. Wir machten Pause. Paul kam – Danny ging es nicht gut, hatte Schmerzen. Er ging zügig weiter. Wir fotografierten wieder viel, nachdem ich Batterien gekauft hatte. Mittag assen wir in St. Martin, Jean war schon am Liegen. Seine Füsse sehen schrecklich aus. Pause. Das Anlaufen war schrecklich. Auch Cécile war müde. Aube Nouvelle tranken wir einen Kaffee, ich und sie einen. Weiter ging’s auf und ab, wir wurden müde von der Wärme. 1 – 2 Regentropfen, auf und ab. Meine Beine taten gut mit. Gegen Schluss der Tageskilometer wurde Cécile langsam, sie hatte im Oberschenkel einen Krampf. Moissac – über 2 Km liefen wir noch in der Stadt herum, bis wir im Gîte d’ancien Carmel – auf dem Hügel ein Kloster ankamen. Cécile war fix und fertig. Die Anlage war schon, einen grossen Innenhof, kleine Zimmer. Wir fanden uns alle als Gruppe. Cécile und ich waren im Zimmer von Danny. Sie war am Salben, war beim Fussmasseur – sie sollte nicht mehr laufen – will aber noch… Duschen, Kleider waschen. Die Elsässerin kam und fragte nach dem Hemd. Ich gab es ihr. Sie war so glücklich, dafür bekam ich eine Mahony schwarze Schokolade geschenkt. Wir wollten den Kreuzgang besichtigen, der war aber schon geschlossen. Wir suchten noch die Post auf, damit wir morgen wissen, wo sie ist, morgen schicken wir ein Päckchen nach Hause. Morgen laufe ich später los, ich will auch noch die Cloître sehen. Cécile hatte Mühe, nicht mehr mit den anderen mitrennen zu können. Morgen sind weniger Kilometer angesagt.
Abendessen kochen mit Martin, Patrick, Danny, Paul, Jean, Cécile und mir.¨
Selleriesalat mit Ei und Tomaten grüner Salat
Paté mit Chirozo und Baquette
Kartoffeln mit Käse und Speckstückchen
Käse
Vanille- Schoggicrème
Wein
Pro Person kostete es 2 Euro, super.
Sie preschen vor, sie wollen weiter – sie hören nicht auf den Körper. Wie lange will ich noch in der Gruppe bleiben und mit ihnen weiter laufen?
Morgen werde ich weniger Kilometer machen. Ich muss mich nicht mitreissen lassen mit der Gruppe. Ich möchte mich finden, mich spüren.
Cécile nahm eine Tablette und ging schlafen. Sie hatte wirklich Schmerzen. Ich konnte nicht gut schlafen – zu leicht ist mein Schlaf. Meine Hüften schmerzen ein wenig.
Freitag 29. April 2011 Moissac - Auvillar
Moissac – l’éclused de l`Espagnette, Boudou, Malause – Pont de Pommevic – Espalais - Auvillar
Wetter; sonnig 22,5 km
Cécile sah auch ihre Sachen durch. Wir gingen mit den andern frühstücken. Es gab noch gepressten Zwieback (Pudding) Joghurt, Orangensaft. Es ging alles schnell. Wir packten alles zusammen und speedeten los. Dafür warteten wir bei der Post eine halbe Stunde. Wir wärmten uns in der aufgehenden Sonne. So dumm, warum machen wir immer auf schnell, schnell, das Drängen kommt eindeutig von Cécile. Es war sehr kühl. Herunterfahren. Wir brauchen nicht zu hetzen. Die Frauen auf der Post waren sehr freundlich und plauderten. 15 Euro zahlte ich, ein teurer Spass. Weiter ging’s in den Kreuzgang. (Cloitre) Unglaublich, dieses Kunstwerk. Wir staunten, liessen uns ein in diese Gänge aus dem 11. JH. Dann konnten wir los. Noch zwei Pilger waren unterwegs – so spät 9.40 Uhr. Philippe + Anne. Sie haben heute angefangen. Schon bald kam uns ein Velofahrer vollbepackt entgegen. Also ihr geht in die falsche Richtung. Ja, sicher. Ich ging hinter die Bäume. Unsicherheiten verbreiten, verwirren, Zeit stehlen. Er hatte Unrecht. Wir gingen weiter. Eigentlich wäre der Weg unendlich dem Tarn entlang. Der Weg führte aber in die Höhe. Wieder Unsicherheit von Philippe – ich war vor vielen Jahren hier dem Kanal entlang gegangen. Na und – ich gehe dem Weg entlang. Und wir hatten eine fantastische Aussicht auf die Garonne. Mystisch, die Inseln im Dunst. Philippe ist verheiratet mit einer Venezuelerin. Er lief uns voraus mit leichtem Schritt. Ein bisschen herrisch. Den Berg hinauf ging es super. Cécile kam hinterher, aber körperlich geht es ihr wieder gut. Ich liebte den Weg. Wir kamen auch gut vorwärts, bis gegen Mittag der Hunger kam. Sie redeten über Südamerika, bis ich Cécile darauf aufmerksam machte, dass hier eine Kirche sei, Wasser und Zeit zum Essen. Sie hielten sich irgendwo auf, aber nicht im jetzt. Sie löste sich dann. Fanden eine Kirche St. Rose. Cécile brachte coole Sprüche. Ich musste lachen über diesen trockenen Humor. Die Rose ist aber traurig, hier ich schenke ihr meine Blume. Die Empore der Kirche, alles in blau, hatte einen Zettel. Nicht mehr als 22 Personen hinauf wegen der Sicherheit! Aussicht auf Kernkraftwerke mit riesigen Wolken.
Es ging weiter, wir kamen an den Kanal. Da fühlte ich mich sehr wohl. Kindheitserinnerungen – Kanal in Nidau, Ferien in Irland mit den Hausbooten, Th. Monoton, alles gerade dem Kanal entlang.
Dann war nochmals eine Strecke alles der Strasse entlang. Wir trafen immer wieder Philippe + Anne. Eine Pause in einem Feld, die Füsse verlüften, eine saftige Orange. Der letzte Abschnitt nach Auvillar, eine Festung auf dem Hügel. Alte Bachsteinhäuser von aussen sieht es sehr mitgenommen aus. Innen sind sie z.T. fantastisch renoviert. Wir kamen an, sahen Philippe und André, Paul, Danny – Philippe (neu) reservierte schon das Zimmer im Gîte für uns vier. Das war mir zu schnell. Eigenmächtig für mich bestimmen, und mich als unfähig und dumm hinstellen, schimpfen. Ich sagte, ich müsse zuerst Cécile fragen, weil wir Freunde treffen. Er:“ ich habe gesagt, ich habe bereits reserviert, ihr müsst nur noch zahlen, verstehst du nicht französisch, so rede ich das nächste Mal spanisch.“ Wau, sehr heftig …. Wir nahmen das Zimmer, Duschen, Kleider waschen. Später schauten wir das Dörfchen an. Er kam zuerst mit uns, Cécile aus Spass mach die Türe zu, er ja kannst du nicht die Türe schliessen? Ich nein, wir haben keine Türen in der Schweiz. Er – gute Antwort. Puuh, seine Energie ist so heftig. Da kann ich Gelassenheit und Ruhe üben. Was gehört ihm, was hat mit mir zu tun?
Später gingen Cécile und ich alleine weiter. Am Abend ging Paul einkaufen.
Reis,
eigentlich Poulet – gab es aber nicht, also Schweinscottelets,
Pilze mit Rahmsauce
Salat
Frische Früchte
Rosé
Ich sitze im Garten und schreibe, die andern sind in der Küche. Ich geniesse.
Samstag 30. April 2011 Auvillar - Lectoure
Wetter; sonnig 32 km
Auvillar – Bardigues – Valée de l’arrats – St. Antoine – Flamarens – Miradoux – Castet-Arroy – Lectoure
Danny humpelt nur noch. Sie hört auf – später erfuhren wir, dass sie nach Lectoure fährt – sie kann nicht loslassen. Paul hat seinen Pullover liegen lassen, wartet, bis das Café aufgeht, um nachzufragen. Anni schläft noch wie eine kleine Prinzessin. Wir frühstückten, verabschiedeten uns von allen und machten uns auf den Weg. Michel und André trafen wir immer wieder. Es hatte ganze Gruppen von Pilger auf dem Weg. Wieder wunderschönes Wetter. Wir kommen gut vorwärts, achteten auf unser Gehen, die Wege, unseren Körper. Waren dankbar, dass alles gut geht. X-Kirchen schauten wir von innen an, die wunderschönen romanischen Bauten aus vergangenen Zeiten. Fantastische Ornamente, unglaublich. Aber auch die Schwere kam mir entgegen. Muffliger Geruch, Verhängtes. Ich zündete eine Kerze an. Wir trafen wieder Michel und André. Auch Cécile zündete eine an. Ich gehe jetzt immer voran, warte von Zeit zu Zeit. Ich weiss, jemand geht hinter mir. Ja, es ist gut so zu gehen. Raum zu lassen und doch zusammen zu gehen. Oft sprechen wir nichts, gehen einfach und sind in Gedanken.
Meine Träume sind sehr intensiv. Ich soll nicht werten – ich war verliebt in einen alten Mann oder alte Frau, egal, Ich stand aber nicht zu dieser Liebe. Werte nicht – es ist.
Vieles war der Strasse entlang, aber es hatte Wege daneben im Gras. Immer ging ein Wind, der brachte uns vorwärts. Es war nicht so heiss und wir machten unsere Kilometer. Dazwischen Fotos von der wunderschönen Landschaft, weite Getreidefelder. Auf einer Krete wurde ein Häuschen aufgebaut für die Pilger. Ein guter Kaffee. Das gab wieder Power. Wir fanden einen hübschen Ort für unser Mittagessen.
Reis, Ei, Peperoni, wenig Wurst, Mandarine, Schokolade. Cécile wurde langsamer, das machte nichts. Nach Castet-Arroy kamen die letzten 10 km. Die hängten an. Der Aufstieg nach Lectourne war steil. Wir fanden la halte Péleraine. Es waren weinige – und wer war da? Jean. Wir sprangen uns in die Arme. Schön. Wir duschten erst später und gingen einkaufen zum Kochen.
Hamburger
Linsen
Karotten, Tomaten, Zwiebeln, Zucchetti
Salat
Joghurt
Wein
Beim Würzen erwischte ich statt Paprika Cayenne Pfeffer, es wurde sehr scharf.
Beim Préspitaire Gîte trafen wir Patrick, Martin, Marc. Was für ein Wiedersehen. Genial. Wir schauten uns die Sehenswürdigkeiten an. Die Quelle von Diane. Cathédrale St. Gervais, la tour du Bourrean.
Österreicher aus Wien fährt mit dem Velo nach Lourdes. Kann nur deutsch. Hängte sich an mich. Gemütliches Essen, die Zeit saust. Schreiben, schon ist es 12 Uhr. In der Nacht kroch eine Katze, 12 J. zu mir ins Bett. Es erinnerte mich so an zu Hause. Ich legte meine Füsse frei, damit sie abkühlen.
Sonntag 1. Mai 2011 Lectoure - Condom
Wetter; sonnig, bewölkt 32 km
Lectoure – Marsdon – Chapelle d’Abrien – Le Romieu – Castelnan-sur Auvignon – Condom
Ich schlafe fast nicht, nur sehr oberflächlich – leicht. Das Frühstück nahmen wir alleine, gut, wenig Joghurt, Haferflocken, einen Apfel , eine getrocknete Banane. Einen zu starken Kaffee.
Er drückte auf den Bauch, ein unruhiger Bauch.
Wir gingen gut los, sahen wieder ein Reh, einen Hasen, ein Eichhörnchen. Trafen immer wieder die Gruppe.
Jean vor allem. Er ging der Strasse entlang. Halt bei der Kirche. Die heiligen Räume betreten. Es wurde ein harter Tag, was die Leistung anging. Es wurde heiss, ich fühlte mich unter Druck von Jean – Cécile. Sie preschten vorwärts – obwohl ich meistens vorne lief. Es war mir schlecht, ich habe fast Durchfall. Ich fühle mich bedrängt. Ich machte grössere Abstände zu Cécile. Romieu – ein hübsches Dorf. Das Dorf der Katzen, viele Katzenstatuen, als wir das Dorf hinter uns liessen kreuzte mein Weg eine tote Katze. Der Kreuzgang (Cloître) war leider geschlossen. Erst beim Mittagessen merkte ich, wie hungrig ich war. Beim Ausgang des Dorfes sah ich eine tote Katze. O.k. Meine Füsse brannten. Besonders mein rechter Fuss, wie ein Klumpfuss. Meine Zehen brannten. Ich fühlte mich als 2 m grosse Frau. Verschobene Realitäten. Die Hitze drückte. Von La Romieu versuchten wir eine Abkürzung, aber auf der Strasse schafften wir einen Kilometer – dann brannten meine Füsse noch mehr. Begegnung mit anderen Pilgern. Die letzten Kilometer waren nur noch im Wahn und Schmerzen. 30 km sind eindeutig zu weit. Wir erreichten das Gîte Champs des Etoiles in Condom.
Ich bin aufgelöst. Erledigt. Wir tranken einen Sirup, bevor wir das Bett bezogen. Ich bin oben, Cécile unten. Eine Dusche, eincrèmen. Ich bin immer noch k.o. Cécile schaute sich die Kathedrale an. Ich lag halb tot im Bett.
Später machte ich die Wäsche. Patrick sagte schon, morgen 29 km – ich habe schon reserviert.
Jetzt war es mir zu viel. Der Druck, ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr. Die Frau vom Gîte redete mir ins Gewissen: Ist das dein Weg? Was lässt du dich von Männern manipulieren? Es löste sich der Deckel vom ganzen Kübel. Zusammenbruch. Ich begann zu weinen und es kam so viel Zähes in Bewegung. Es machte mir Angst. Diese Gruppe hier dient als Symbol für zu Hause. Jetzt konnte ich ohne Angst alles hinterfragen.
Cécile rief zum Essen. Mit völlig verheulten Augen kam ich zu Jean, Patrick und ihr. Sorry, also ich werde morgen meinen Weg gehen – eine kurze Strecke. Adieu, Cécile. Ich muss meinen Weg finden. O.k. dann kann ja Danny deinen Platz im Gîte nehmen. Ja sicher, kein Problem. So schnell wird man ersetzt. Wir tauschten noch Nummern aus. Ich ging sehr spät ins Bett – konnte kaum schlafen – es war so eine riesige Reinigung – nachdem ein tiefer Punkt mental erreicht wurde.
Montag 2. Mai 2011 Condom - Lamothe
Wetter; sonnig – bewölkt, 26 km
Condom – l’ancien château d’eau – pont d’Artigues – Montréal du Gers – Lamothe
Patrick nahm mich nochmals in die Arme – geht es dir jetzt besser? Und ging. Gemeinsames Frühstück und ich packte alles zusammen. Abschied – seltsam – es fiel Cécile schwer. Ich schaute die Kathédrale an – Fotos – einen Stöpsel vom Baton ist weg – einseitig. Ich fand den Weg und ging los.-
Langsam kam ich bei mir an. Sah ein Kaninchen, eine Maus, Milan. Hörte Vogelstimmen, die ich noch nie hörte. Schön. Ich tauchte ein in die Landschaft – noch ein wenig verloren – Cécile war in meinen Gedanken, aber langsam richtete ich mich aus – sah meinen Weg.
Ich freue mich, eine Ausbildung zu machen – einen Werkraum ausserhalb zu haben – Ich muss nicht alles über den Haufen werfen – aber einiges wird geändert.
Es kehrte Ruhe ein – ich versuchte meinen Rhythmus zu spüren. Gar nicht so leicht. Dazu genau den Weg zu lesen. Alle bekannten Gesichter zu verlieren.
Ich machte kleine Pausen, ass etwas, und weiter gings- Immer wieder begegneten mir Pilger. In Montréal realisierte ich, dass ich noch weiter mag. So bestellte ich das Bett ab. Hui, war die Frau wütend. Dabei läutete eine halbe Minute ein anderer Pilger an – er sucht ein Bett. So unfreundlich, hässig.
Ich bestellte in Lamothe bei Fritz – ein Deutscher. Das irritierte mich ziemlich. Also gut, ich komme in andere Energien. Alles war geschlossen in Monréal – also ging ich bald weiter – durch die Reben – Weingebiet. Und erreichte das Gìte als Erste. Schön. Um 4 Uhr angekommen zu sein – duschen – Wäsche waschen – bei mir sein. Noch Kräfte haben. Cécile telefonierte – ich ging ihr entgegen – die zwei Elsässerinnen. Ja, hier bleibe ich, sie gehen weiter, finden ihren Traum – ich möchte jetzt auf mich hören. Die Pilger trudelten ein. Ein Belgier, Philippe, drei aus Kanada, Gayton, zwei Französinnen – Fritz ein echter Deutscher – ein Bär – sehr eigen, sehr einsam, versteht fast kein Französisch, findet die Franzosen Schlitzohre. Ich übersetzte viel, ging ihm zur Hand mit Instruktionen geben. Das Essen war ausgezeichnet.
Salatteller mit Tranche Rohschinken, Wurst
Deftiger Eintopf
Reisdessert
Wein
Es mundete allen. Er ass nicht mit uns am Tisch. Ich war nachher so müde und musste schlafen. Neun Stunden durch. Kein Schnarchen – einfach Ruhe – super. Phillip aus Belgien prophezeite mir zwar, dass er schnarchen würde – aber es war nichts.
Dienstag 3. Mai 2011 Lamothe - Nogaro
Wetter; bewölkt, Regentropfen, Sonne, 27 km
Lamothe – Eauze – ferme de Peyret – Manciet – Nogaro
Das Frühstück – super – Muesli, selbstgebackenes Vollkornbrot. Das hielt länger hin. Dann packte ich meine Sachen und ging. Frei – wir werden uns wieder treffen.
Geniales Gefühl. Lange gerade durch einen Wald. Ich hatte keine Angst – freute mich auf dem Weg. Es war sehr bewölkt – ein Wind ging, d.h. es war angenehm zu laufen. In Eauze traf ich die Elsässerinnen, holte den Stempel, besuchte die Kathedrale, traf wieder auf die Pilger von der letzten Nacht. Ich schickte nochmals ein Paket heim, der warme Pullover. Nochmals 300 gr. Ich fühle mich immer leichter. Dann ging es weiter. Ich nahm keine Abkürzung – genoss die Natur, tauchte ein, wie in Trance mit Düften, Wärme Wind verbunden.
Mittagessen im Manciet. Gaytan ein Quebecer lief mit mir. Wir assen zusammen an einem Tisch. Welcher Luxus. Den Rest lief er hinter oder neben mir. Wenig redeten wir – ich fühlte mich fei. Manchmal war mir fast schwindlig – so tauchte ich ein.
Einmal sah ich einen Fuchs. Spechte bunte und normale. Einige Hunde. Eine tote Katze, die Junge hatte. Tote Maulwürfe. Das tat weh. Wir kamen im Gîte d’étape communale in Nogaro an.
Ich bezog ein Zimmer mit einer Frau – nur 2 Euro mehr kostete es. Gayton hatte ein anderes Zimmer. Wir entschieden uns zu kochen. Da kam Jean entgegen. Na da bist du ja – Patrick, Cécile, Danny. Wau. Ich sprang Jean in die Arme. Welche Überraschung. Ich dachte, sie seien weiter. Jetzt kochen wir zusammen. Gaytan kennen sie von viel früher. Sehr schön. Jetzt stimmt es für mich. Ein wunderbares Wiedersehen.
Wir kochten zusammen, ich kaufte noch wenig ein.
Paté mit Brot
Linseneintopf mit guten Saqucisson
Salat
Käse
Crème
Es mundete. Später bekam ich noch einen Armagniac.
Marie-Pierre, meine Zimmernachbarin, kommt mir vor wie Ute. Zierlich, das Zimmer abschlieissen, Türe zu es stinkt… Naja, wir hatten Ruhe.
Mittwoch 4. Mai 2011 Nocaro – Aire-sur l‘Adour
Wetter; bewölkt, sonnig, 28 km
Nocaro – Lanne – Soubran – ferme lascassagne – Aire-sur l’Adour
Ich hörte die (meine) Gruppe reden und in der Küche hantieren und abmarschieren. Es war mir gleich. Ich hielt meinen Rhythmus und nahm mein Frühstück um 7 Uhr. Die ersten Schnellen waren schon aufgebrochen. Jetzt waren die Gemütlichen dran. Gaytan kam wenig später. Ich verliess ihn dann und begann meinen Tag. Wieder in die Natur – allein sein, Friede. Die Ruhe des Tages. Ich lief super – keine Schmerzen. Der Tag öffnete sich und ich lebte in diesem Zwitschern, dem Wind in den Haaren spüren, gewärmt werden von der Sonne.
Eine Gruppe lief vor mir – Franzosen. Mit einem lief ich eine Weile – plaudernd. Dann lief ich wieder allein. Grosse Felder mit Setzlingen. Fantastische Wolkenbilder. Ich machte Pause, wechselte die Hosen, stärkte mich und weiter gings. Ich fand ein hübsches Plätzchen zum Essen, bald gesellten sich die Elsässerinnen dazu und später sogar Cécile. Ein grosses Treffen. Wir tauschten noch die Adressen aus, sie haben mich schon gesucht, da sie morgen heimfahren. Mit Cécile lief ich nach Aire sur l’Adour. Wir waren an verschiedenen Orten stationiert. Ich im Gîte La maison des Pélerin Jean-Michuel. Ein altes Haus, eher hippimässig.
Marie-Pierre war auch hier, ihr Mann holt sie hier und heute ab, Manuela aus Deutschland teilte mir mir ein Zimmer und noch ein Australier.
Messe für die Pilger. Eine Familie, Jean, Danny (wieder geheilt?), Cécile, Patrick und viele andere. Es berührte, der Pfarrer war sehr menschlich. Zurück kochte ich mir:
Gemüse; Kartoffel, Auberginen, Karotten, Zwiebel, Tomaten
Überbacken mit Geissenkäse
Ein Gläschen Wein dazu.
Ich bin total glücklich, es geht mir gut. Ein fantastisches Gîtes. Am Abend sassen wir noch zusammen und redeten.
Donnerstag 5. Mai 2011 Aire-sur l’Adour - Arzacq
Wetter; sonnig, 33,5 km
Aire-sur l’Adour – Latville – Matot – Miramont-Sensacq – l’église de Sensacq – Pimbo – Miquéon – Arzacq
Um 7 Uhr gab es Frühstück – schon fast fertig gerüstet angezogen, bereit für einen neuen Tag. Ich kann nicht so schnell essen, es war mir fast zuviel. Als Letzte machte ich den Schwanz der Gruppe – mit Manuela aus D. Sie zog so aus, ich fand meinen Rhythmus. Riesigen Feldern entlang, mit kleinen Setzlingen, nachdem wir den Grossverkehr von Aire sur l’Adour hinter uns liessen. Es war viel Strasse zu laufen. Viel gerade Strassen. Dazwischen liefen wir wieder zusammen, tauschten aus, mal in deutsch. Wir zogen gut aus. Die Pilger häufen sich. Einmal zählte ich 15 Pilger, die vor mir liefen. Ich kam an Gehöften vorbei, wo die Tiere schrien. Das habe ich noch nie gehört. Kühe mit Kälber, eingepfercht auf hartem Betonboden, in der Scheisse liegend, oder Schafe mit vielen Lämmern, sie schrien herzzerreissend, abgetrennt von den Müttern, auf engstem Raum. Dann Gänse, die gestopft werden für Gänseleber – se berührte mich tief, ich schickte viel Licht. Es ist wie ein grossen Weinen, Schreien und niemand hört sie.
Gegen Mittag traf ich Jean, ass etwas. War mit einer 3-er Gruppe unterwegs. Die rannten – stoppten – rannten – stoppten. Schon nur das ewige Überholen war aufreibend, aber ich blieb meinem Schritt treu. Ich ass meinen Lunch alleine unter einer Eiche – zufrieden mit mir und der Welt. In Bimbo traf ich wieder auf Jean und Cécile – sie hatten die Abkürzung genommen. Ich trank einen Kaffee, traf eilnen Pilger, gekleidet wie im Mittelalter aus Genf – und dann kam der letzte Bitz – in brütender Sonne, 29 °. Cécile lief mit mir. Wir schafften es und kamen im Gîte an. Ich fühlte mich verschwitzt aber körperlich fit und bin stolz auf meine Leistung. Einkauf, Betreuung von Pilgern bei Saft und Kuchen neben der Kirche. Gayton hatte mich gesucht, ist auch angekommen. Wir sind wirklich eine grosse Familie. Zum ersten Mal sehen wir die Pyrenäen.
Abendessen:
Randensalat mit Tomaten
Entenkeule mit Hörnli
Joghurt
Guetzli
Die Zimmergenossen von mir und Manuela waren schräg. Ein alter Glüschtler, 76 Jahre, und sein Freund, angetrunken, Sprüche unter der Gürtellinie machend. Ich ging nicht darauf ein. Es war aber komisch in diesem Zimmer zu schlafen. So schlief ich fast nichts und hatte Alpträume vom Überfallen werden, missbraucht werden. Traum: ich kam heim, und Th war ganz anders und ich merkte, dass er etwas mit einer Jüngeren hatte (Andres-Zeiten lassen grüssen). Mir fiel die ganze Welt zusammen. Es ist aus – wir lösen alles auf. Ziemlich gerädert erwachte ich.
Freitag 6. Mai 2011 Arzacq –Arthez de Béarn
Wetter; Sonnig, wenig Wolken, 32 km
Arzacq – Louvigny – Larreule – Pomps – chapelle de Caubin – Arthez de Béarn
Das übliche Frühstück; Baquette-Butter-Konfi-Orangensaft-Tee. Das hält nicht lange. Ich marschierte mit Manuela los. Cécile folgte – wir redeten zu dritt und schon waren wir auf dem falschen Weg. Jetzt richteten wir uns aus. Cécile blieb zurück – dafür holten wir Patrick ein. Die Kapellen besichtigen, ruhig werden. Die Pyrenäen, wunderschön anzusehen, sie sind aber nur 1500m hoch. Das erstaunt mich. Es war heiss, es wurde heisser, bis 31°. Es drückte die Hitze, aber trotzdem kamen wir gut vorwärts. Es ging sehr auf und ab. Welche Freude, den Körper so zu spüren, die Kraft, die Leichtigkeit. Lunch bei einer Kirche, im Gras liegen, den Himmel anschauen. Freiheit, Zufriedenheit. Der Einstieg ins Gehen, nach dem Essen war hart. Wieder auf Touren zu kommen. Die Hitze drückte nun stark. Ich war jetzt froh, nicht alleine unterwegs zu sein. Die Gruppe stärkte. Gaytan kam auch dazu. Da redeten wir englisch. Das letzte Stück nahmen wir zusammen. Den Berg hinauf, dann kam ich an beim Gîte, En Cousina. Wir waren nur Danny, Jean, Patrick, Cécile und ich bei einer Familie. Duschen, ankommen. Die Müdigkeit kam. Es kehrte Schwere ein, ich nickte auf dem harten schweren Liegestuhl ein. Der Hausherr kam mit Strohhut, aufgestellt. Sie haben eine Lampiohrhundefamilie, Hühner, junge Pipeli, zwei kleine Mädchen.
Das Essen:
Selbstgemachtes Paté mit Baquette
Einen Apéro
Kartoffeln gebraten mit selbstgemahter Wurst
Rosé oder Rotwein
Yoghurt
Einen Liqueur vom Haus
Jetzt sind wir wirklich eine Familie. Danny ging in die Pharmasie Medis holen – liess sich noch epilieren. Schmerzen hat sie wie verrückt, macht aber noch weiter. Niemand versteht sie. Wir gingen dann früh zu Bett. Ich schlief unruhig – hatte wilde Träume. Jean war in der Nacht aus dem Bett gefallen.
Wir sind auf der Flucht. Krieg. Frühere Zeiten mit Umhängen. In einer Kirche können wir übernachten, sie haben ein Lager gemacht. Massen von Gestalten, dunkel, düster. Am Morgen, es regnet, gehe ich ins andere, grössere Gebäude, laufe durch die Reihen der zugedeckten Gestalten. Intuitiv bleibe ich stehen, und hebe die Decke. Ylenia, als kleines Mädchen schläft. Ich habe sie wiedergefunden. Eine Frau kommt, legt sich zu ihr, das ist mein Kind. Das werde ich mit dem Blut prüfen. Die Frau zeigt sich einsichtig: das Mädchen hat gesagt, eine Caroline habe ihr früher geholfen. Sie gestand mir mein Muttesein zu. Ich sagte zu Y: „wir sind jetzt noch 5 Tage auf dem Weg, dann gehen wir heim. Kommst du mit?“ Sie hatte einen Walkman, war älter und sagte ja.
Samstag 7. Mai 2011 Arthez de Béarn - Bignun
Wetter; bewölkt, wenig Gewitterregen, 24 km
Arthez de Béarn – Maslasq – Sauvelade – Bignun
Sie hetzten wieder zum Aufbruch – heute sind wirklich nicht viele Kilometer. Patrick drängte es wie jeden Morgen, aufzusprengen. Danny zerläuft in den Schmerzen.
Wir starteten. Die Gruppe zog sich in die Länge. Freiheit. Es drückte ein Gewitter. Die Wolken wurden schwerer, bis sie sich endlich entluden. Das 1. Mal das Regentenu anziehen, wir sahen lustig aus in diesen Capes. Es war sehr schweisstreibend und einengend.
Die Wälder nahmen mich auf, immer wieder riesige Eichenbäume. Ursprüngliche Wälder, naturbelassen.
Bei der Abbei hatte es Picknicktische, dort assen wir wie gewöhnlich unser Brot mit Wurst und Käse.
Das letzte Stück, noch wenige Kilometer, es ging steil bergan und wieder hinunter. Ich lief viel mit Patrick. Dann kamen wir im Gîte Grand Saule an. Ein Mann kam uns entgegen, er hat geschwankt, konnte nicht ruhig bewegen – er hat Multiplisklerose. Ein Landhaus, hübsch eingerichtet, gerade mal 6 Plätze, eine hübsche Küche und einen riesigen Garten. Der Himmel sehr bedeckt, einen Kaffee zum Trinken und dann ging jeder seinen Sachen nach, ordnen, waschen, Gayton kam auch noch bei uns an. Wir sind komplett.
Dann ging das Gewitter los – die Schleusen öffneten sich. Wir waren dankbar, dass wir schon angekommen sind. Ein junges Reh spazierte durch den Garten. Wir waren alle unruhig, wie Gefangene, die nicht mehr nach dreaussen können. Dazu kam der Hunger. Wir konnten etwas früher essen.
Tomatensalat mit Ei
Ente mit Kartoffeln
Käse, gefrorenes Baquette
Apfeltorte
Wein
Nach dem Essen waren wir schon fast im Bett. Sie haben eine zusätzliche Matratze gelegt – die hängte so durch, aber ich schlief gerne alleine und nicht im Doppelbett. Danny machte das ganze Zimmer zu einem Lazarett. Es roch sehr nach Ölen und Salben, aber eher streng als wohlduftend.
Sonntag 8. Mai 2011 Bignan - Aroue
Wetter; sonnig, 26 km
Bignan – Navarenx – Castetnau-Camblong – Carrefour forestice – chateau de Montastin – chateau de Joantho – Aroue
Patrick machte sich mit Jean früh auf den Weg. Auch Cécile begann zu hetzen. Ich sass zu ihnen, frühstückte und machte mich in meinem Tempo bereit. Ich verabschiedete mich einmal mehr von Danny und los ging’s. ein wunderschöner Morgen. Es war wesentlich kühler. Der Regen hat alles gereinigt. Die Pyränäen waren schön und klar. Die Wälder wurden schwerer, dunkler, härter. Kastanien – Tannen. Dazwischen auch wieder Eichen. Der Boden war kühl, nass.
Eine Dankbarkeit – eine Freude – bei mir sein.
In Navarenx war die Kirche zu, ich traf Cécile, wir kauften gemeinsam ein. Früchte – Gemüse.
Dann ging es gemeinsam weiter, bis wieder jeder seinen Rhythmus fand.
Vor Charré war ein Unterstand für die Pilger. Jean und Patrick, eine Gruppe Deutsche waren schon dort. Ich kam dazu. Mittagszeit. Der Hof verkaufte Selbstgemachte Pâté. Cécile kam auch und wir assen genüsslich. Da kam ein Pilger, redete wie eine Waschfrau, er esse nur Brot und Wasser – sicher keine Dörrfrüchte, sein Gepäck sei nur 6 kg blablabla. Es nervte – er wollte Aufmerksamkeit und merkte nicht, dass es uns überhaupt nicht interessierte.
Als wir aufbrachen, war Gayton am Ankommen. Bis Übermorgen, er hat in einem andern Gîte gebucht. Dann wurde es nochmals sehr heiss, steil. Wir folgten den kargen Wegweisern. Endlich erreichten wir die Eiche, die den Wegweiser hatte zum Gîte Bellevue in Aroue, noch einen halben Kilometer. Durch eine Heuwiese stiegen wir ab und kamen bei einem hübschen Haus an.
Cécile und ich bekamen das blaue Zimmer. Wirklich hübsch. Duschen, einen Kaffee, Guetzli, Cécile sitzt schon in den Unterhosen an den Tisch. Die anderen Pilger schauten irritiert. Wäsche. Der Enkel mähte stundenlang den Rasen vor dem Haus. Dieser Lärm. Mein Telefon ist wieder ausgestiegen – meine Batterien vom Fotoapparat sind auch leer. Wiedermal die Haare waschen, die langen Hosen waschen. Im Gras liegen mit der Foliendecke. Schnell wurde ich eingewickelt als Geschenk von Cécile und Patrick. Auf der Wiese liegen, entspannen. Wir wurden in die Kirche gefahren vom Herrn des Hauses. Pilgergottesdienst in der kleinen Kirche. Es tut gut.
Abendessen:
Pâté mit Baquette
Teigaren mit Käse + Speck
Wein
Wir hatten Hunger. Abwasch, ausrichten für die nächste Zeit. Schlafen. Wir erlebten einen wunderschönen Sonnenuntergang. Wir schauten knapp zu, bevor wir ins Bett fielen.
Montag 9. Mai 2011 Aroue - Ostabat
Wetter; sonnig, 22 km
Aroue – chateau de Joantho – Olhaiby – ferme de Benta – Larribar – Sorlapum – Hiriburia – Ostabat-Asme
Jeden Morgen das gleiche Ritual. Übungen machen, aufstehen, Füsse eincrèmen, Arme, Gesicht Beine eincrèmen, frühstücken, alles einpacken, Wasserflaschen füllen. Jeden Tag an einem andern Ort.
Heute verabschiedete uns der Patron jeden Einzelnen mit Händedruck. Wir zogen los, wir vier, in den Morgen, es war erst nach sieben.
Wieder war ein klarer Tag. Eine Steigung um die andere. Die heutige Strecke ist von Unesco eingetragen. Panoramaweg, Blick auf hügelige Landschaft, ein wenig wie der Jura, im Hintergrund die Pyränäen. Es erinnerte mich sehr an die Schweiz. Es roch stark nach Sommer und wir hatten uns als Gruppe in der Geschwindigkeit gefunden. Wir sind im Baskenland. Die Häsuer sind zum Teil ganz weiss gestrichen, mit bordeaux Läden und Fensterrahmen. Die Leute sehen härter aus, dunkler in der Farbe, anders. Viele tragen ein Bêret.
Wir kamen an den Punkt, wo sich die drei Pilerwege , Le Puy en Valey, de Vézelay et de Tours verbinden. Ich hatte den Punkt verfehlt, aber Cécile rief mich zurück. Dann kam der Aufstieg zur Kapelle mit wunderschönem Rundblick – es war eine rechte Steigung. Wir schwitzten. Oben hatten wir unseren Picknick, wir eben noch übrig war. Im Schatten der Platanen, Füsse verlüften, Freiheit. Jean und Patrick gingen schon mal voraus. Die Auf- und Abmärsche waren immens. Nach Ostabat mussten wir nochmals tief hinunter und noch hinauf steigen – Unten waren alles Ställe, Misthaufen, unten war auch ein Gîte. Wir mussten hoch hinauf – vorbei an einem Einkaufsladen. Erst nachher merkten wir, dass es noch 1,5 km waren zum Gîte. Das musste ich später zurück gehen, um einzukaufen. Aber zuerst kraxelten wir den Hügel hinauf. Voll verschwitzt. Oben wurden wir begrüsst mit einem Glas Sirup. Stöcke, Schuhe in einen Raum, die Pilgerpässe abgeben, dann wurden wir in die Zimmer verteilt. In unserem Raum hatte es neun Betten, keine Hochbetten. Der Raum war hübsch, in orange/lachsfarben, aber es wird eine Massenabfertigung. Duschen, das erste Mal kalt – Wäsche, einkaufen. Cécile kam mit. Ein Kaffee lag drin. Ostabat, ein richtiges Bauerndorf. Die Aussicht ist wunderschön. Essen um 19.15 Uhr. Wir waren 21 Pilger. Es gab ein köstliches Essen, von allem genug.
Muscat espagnol,
Rohschinken mit Pâté und Baquettes
Hackfleisch mit Gemüse und Baquettes
Baskenkuchen
Apéro, Wein
Der Hausherr sang bastische Lieder, es war eine gute Show, eine Feststimmung, er nahm uns mit auf diese Reise, der Alkohol wirkte.
Jean fand es eine Fabrik der Pilger, manchmal kommen sie mit Cars. Natürlich verdient er sein Geld damit, die Frage ist, was bedeutet Pilgerweg für jeden Einzelnen.
Dienstag 10. Mai 2011 Ostabat – St. Jean Pied-de-Port
Wetter; sonnig 21,5 km
Ostabat – Aure – Carfour de Larceveau – St. Jean-le-Vieux – St. Jean Pied-de-Port
Um 6 Uhr ging der Wecker. Ich war unruhig, mein Fruchtsaft ist im Rucksack im Proviantteil ausgelaufen, alles klebrig und aufgeweicht.
Der Morgennebel lag über der Landschaft, die Sonne ging auf. Mystisch, friedlich. Patrick sprang voraus. Jean hatte den Hut vergessen, Cécile nahm ihn mit.
Wenige Wege waren angenehm zu gehen, vieles waren Asphaltstrassen. Doch ich merkte nicht viel davon, meine Gedanken waren bereits bei der Heimkehr, organisieren etc.
Maurice lief eine Weile mit mir. Er läuft Marathon. Bei einer Brücke machten wir einen Zwischenhalt.
Jean, Maurice, ich später kam auch Cécile.
Es hat so viele Pilger unterwegs – es wird schwierig, in Ruhe Wasser zu lassen.
In St.-Jean-le-Vieux hielten wir. Maurice + Jean assen etwas im Restaurant, wir setzten uns hinten beim Restaurant hin – picknicken war erlaubt. Super, wir nahmen dann trotzdem noch einen Salat. Und dann war es noch eine Stunde bis St.Jean-Pied-de-Port.
Wir kamen zum Tor. Ich habe mir die Stadt so anders vorgestellt. Viele weisse Häuser mit bordeaux Läden. Die Stadt ist umgeben von einer Stadtmauer. Als wir das Flüsschen überquerten, schauerte es mich. Ich kenne diesen Ort. Im Mittelalter war ich hier, am Fluss als Frau, arm mit Kindern. Es fror mich. Ich sehe die alten Häuser vor mir. Unglaublich. Ich lasse los, was immer noch verhängt ist. Ich lasse los. Schön, einen Ort von früheren Leben wieder zu sehen, zu erkennen. Dann das Gîte mit Schweizern, Österreicherinnen. Ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof, das Billette nach Basel lösen für Freitag. 208 Euro – Komisch. Ich habe die Fahrkarte und trotzdem gehe ich morgen weiter über die Pyrenäen. Ich freue mich riesig. Und Maurice hat allen gesagt, dass wir den Berg nehmen, zusammen. Ich verweilte in den alten Strassen, versuchte zu spüren. Ich erkletterte die Mauern, hinauf zur Zitadelle. Ich fühle mich wohl. Es ist gut. Alle Tore sind offen. Ein Stückchen Schokolade, ein bisschen Apfel.
Um 7 Uhr in die Messe für die Pilger. Danach warteten wir auf dem Gehsteig bis wir essen konnten – ein Gebet, ein grosser Tisch, es sind Freiwillige, die hier arbeiten Jacque und Monique.
Gemüsesuppe mit Brot
Wein
Fleisch mit Kartoffeln
Salat
Bananenkuchen und Erdbeeren
Es wurde genau geschaut, wie viel geschöpft wurde, nach einer Portion wurde abgeräumt. Wir halfen in der Küche und reinigten den Tisch. Ich musste für zwei Deutsche übersetzen, die nichts verstanden. Ein CH aus Port/Biel als Velopilger unterwegs war da. Zum Abschied gab er mir einen Kuss auf die Wange – Solidarität unter Pilgern. Bald war Nachtruhe.
Mittwoch 11. Mai 2011 St. Jean Pied- de- Port - Roncevaux
Wetter; sonnig, 26 km
St. Jean Pied- de- Port – Hunto – Vierge de Biakkoni – Col de Bentarte – Puerto de Ibaheta – Roncevaux
6.30 Uhr das Frühstück. Es gab Schoggiweggli und süsses Brot. Wir stärkten uns und ab gings. Die Strasse war gefüllt mit Pilgern, aus allen Strassen kamen sie mit dem einen Ziel, über die Pyränäen. Wir wurden getrieben von einer unsichtbaren Kraft, wussten genau, wo der Weg durchgeht, wie die Forellen, die 1000e Kilometer dorthin schwimmen, wo sie laichen können, zu ihrer Geburtsstätte. Alle dem Berg entgegen. Als Gruppe – der Aufstieg war sehr steil. Massen von Pilgern bewegte sich in die gleiche Richtung.
Unpersönlich und trotzdem völlig faszinierend, dieses stetige Überqueren der Pyrenäen. Wir hatten einen Supertag. Der Nebel lag in den Feldern. Je höher wir stiegen, desto klarer wurde es, bis die Sonne durchbrach, der blaue Himmel. Wir kamen auf 1410 m und hatten dann wieder den Abstieg auf 950 m.
Es stieg stetig, die Felsen waren begrünt, aber es hatte fast keine Bäume. Viele neue Pilger kamen dazu. Heute angefangen. Refuge d’Orisson hielten wir zum 1. Mal. Essen, Füsse verlüften. Es ist eine grosse Dankbarkeit, jetzt auf dem Weg zu sein. Während dem Laufen verteilten sich die Leute wieder. Manchmal war ich allein auf dem Weg. Pipi machen wa schwieriger. Wir hielten als Gruppe gut zusammen. Ruhig atmen, Schritt für Schritt. Wir begegneten Schafherden, Pferde auf der Alp. Wunderschön. Es hatte einige Fohlen. Zum Teil gaben die Mütter an, wir waren ihnen mit den Jungtieren fast zu nah. Zum 1. Mal waren auch Japaner , Koreaner unterwegs. Sie redeten sehr laut, ihre Ausrüstung z.T. sehr fragwürdig, so touristisch, nicht funktional. Aber es liegt nicht an mir zu werten. Jean hatte sehr Mühe mit dem Aufstieg, schaffte es und als er den Gipfel erreichte, weinte er, er hatte es mit seinem schwachen Herz geschafft, und in diesem Moment telefonierte seine Frau.
Für mich war es atemberaubend, schön die Etappe, aber es erinnerte mich viel an die Ch-Berge, nur der Rucksack war anders. Wir kamen die die letzte Quelle bis Ronnceveaux. Nach dem Essen war der Aufstieg heftig. Cécile undich gingen zusammen und dann kam der 500m Abstieg – steil. Ich wollte den Weg morgen machen, aber ich werde es sein lassen. Der Abstieg war deftig und ging in die Knie. Ronnceveaux, spanisch – fremd, riesig, 400 Betten. Die Sonne brannte. Es war für 3 Mio Euro umgebaut worden. Auf Etagen immer 4 Betten zusammen, zu Boxen, wie in einem modernen Kaninchenstall. Zu Recht finden, duschen, organisieren. Martin hatte schon für uns reserviert zum Essen. Spaziergang, ein Bier trinken.
Ich musste meinen morgigen Rückweg planen. Bus hat es keinen, doch um 15.00 Uhr Taxi kostet von St. Jean Pied-de-Port 45. Euro, von Spanien aus weiss ich nicht. Dann hiess es wieder, es hat einen Bus und von hier Taxis, um 7 Uhr morgens. Ich lasse es auf mich zukommen. Vorabschied – es ist komisch. Jeder verhält sich anders. Abendessen. Abfertigung von 100 Pilgern, zusammengepfercht.
Tomatenteigwaren
Forelle mit Pommes
Yoghurt
Wein
Cécile kam zu spät, war am Computer für ihren Block. Gayton sass bei uns am Tisch. Er blieb wie immer am Wein hängen. Das Essen war sehr fettig und die Teigwaren viel zu weich, also sehr mittelmässig.
Wir kehrten zurück, zogen uns wärmer an und gingen in die Messe. Die Kirche war wunderschön. Diesmal in Spanisch. Die Gemeinschaft, die Segnung, es berührte mich, das letzte Mal zusammen. Jetzt kamen mir die Tränen – ich spürte tiefe Dankbarkeit – wusste aber auch, dass nun die Trennung ist – loslassen – vertrauen. Eher ruhig gingen wir ins Bett. Aus den Schlafboxen tönte es noch spanisch, koreanisch, englisch. Ich schlief unruhig. Alles löst sich auf – so schnell war die Zeit vergangen.
Donnerstag 12. Mai 2011 Roncevaux – St. Jean Pied-de-Port
Wetter; bewölkt, wenig Sonne
Roncevaux – Gorozgarai – Ganecoleta – Valcarlos
14 Km, den Rest per Auto nach St. Jean Pied-de- Port
Talwanderung
Ein letztes Gruppenfoto. Eine feste Umarmung mit jedem. Und dann ging ich – weil der Bus um 7 Uhr kommt.
Ich wartete, der Bus kam nicht, aber dafür kamen sie nochmals einzeln an mir vorbei – Cécile, Patrick, Jean, Maurice – weiter auf ihrem Weg Richtung Compostelle.
Ich sammelte mich und begann der Strasse entlang zu laufen. – in die andere Richtung. Jeder Schritt macht die Trennung klarer, jeder Schritt bringt mich in mein anderes Leben zurück. Es hatte nicht viel Verkehr auf der Strasse. So genoss ich die Natur. Zum Teil führten die Wege dem Fluss in der Schlucht entlang.
Wunderbar, wild, ich bin im Fluss, ich lasse es fliessen. Es war noch sehr spanisch. Valcarlos sucht ich den Weg, nachdem ich wenig einkaufte. Auf der Strasse begegnete ich Velopilger – ich wurde herzlich begrüsst.
Dann suchte ich die Zeichen des Weges, verkehrte Richtung ist nicht so einfach. Ein Auto hielt an und fragte, wo ich hin müsse. Ja, das sei der Weg, er fahre in diese Richtung, ob ich mit wolle. Danke ja. Ich stieg ein. Er ist Pilze sammeln gegangen. Daniel hatte vor einem Jahr einen Unfall und sieht trotz X Operationen auf dem rechten Auge nicht mehr. Wir kamen ins Plaudern, und er sagte, er habe genügend Zeit, er könne mich nach St. Jean-Pied-de Port bringen. Super. Wir redeten von nicht warten, sondern wenn der Weg ruft, dann sollte man wirklich gehen.
Er wollte keinen Kaffee mehr trinken, ich bedankte mich und war angekommen.
Der Himmel bedeckt. Ich trank einen Kaffee und ging zu Jacque, der gerade auf der Strasse war. Er sagte mir schon zu, ich habe ein Bett in einem 3-er Zimmer mit zwei Männern, Uwe und Marcel, die auch morgen heimkehren. – Gleiche Energie. Noch Schwere, noch nicht loslassen. Ich duschte zuerst,Reinigung für die andere Welt. Sandwich essen – Spezialitäten einkaufen, ankommen. Durch das Städtchen wandern. Frieden finden in mir. Ich bin jetzt bereit, heim zu kehren. Ich bin dankbar, dass alles so gut gelaufen ist. Ein Buch über St. Jean-Pied-de-Port, ich traf wieder Marc, ich traf Paul, er war sehr zurückhaltend, verhalten, kühl.
Abendessen:
Baskische Suppe
Baskische Spezialität mit gelbem Reis:
Gehacktes Kalb- und Rindfleisch mit Zwiebeln, Knoblauch, Peperoni, Tomaten Piment,
4 – 5 Std. köcheln lassen
Salat
Wein
Zuerst kam noch die letzte Messe. Diesmal liess ich mich nicht mehr segnen für den Weg. Aber ich zündete die letzte Kerze an, ein grosses Danke, dass alles gut gegangen war. SMS an Thomas, wann ich heimkomme. Er ist am Jubilieren auf dem Allerheiligen – 10-jähriges Jubiläum.
Marcel holte zwei Quebecer in unser kleines Zimmer. Ihr Kommentar: uh, da ist aber ein Verkehr…Es wurde mir zu viel – so wenig Platz und noch mehr einengend. Mich begann vieles zu nerven. Weil ich nicht mehr weiter kann – wenn man stehen bleibt, sieht man immer wieder die gleichen Muster. Die Unwissenheit, die Angst, das Tapsige. Ich mag die vielen Geschichten nicht mehr hören. Ich bin satt, bis oben hin und versuche mich zu lösen. Und wieder eintauchen in meine alte Welt.
Die Gegenreaktion von Wut und Genervt sein, ist wohl für die Loslösung wichtig.
Freitag 13. Mai 2011 St. Jean Pied-de-Port - Arlesheim
Heimkehr
Frühstück um 6.30 Uhr. Wir mussten um 8 Uhr aus dem Zimmer sein, aber das Gepäck konnten wir noch im Gang stehen lassen.
Ein gutes Frühstück, ich muss nicht mehr viel essen. Die Pilger, in Strömen gingen sie Richtung Pyrenäen. Bon Camino – Ultreiya.
Es blieb uns Zeit, bis der Zug fuhr, in Ruhe erklomm ich nochmals die Zitadelle, liess die Ruhe der Gegend auf mich überspringen. Langsamkeit, Ruhe.
Zurück zum Gîte, nahm ich meine Sachen, der Rucksack wog schwer mit allen Souvenirs – Richtung Bahnhof. Es waren einige Pilger, die zurück kehrten. Warten auf den Zug. Da am Phillip, der Belgier. Was für eine Freude, wau am letzten Tag sehen wir uns wieder. Auch er kehrt zurück. Aufgestellt, sehr beweglich, korrekt, fast ein bisschen nervös, aber voll da.
Wir erfuhren, dass wir nicht mit dem Zug nach Bayonne fahren können, der Zugführer wurde gewalttätig angegriffen, die Linie fällt aus…Es gab Busersatz. Die Heimreise fängt ja gut an.
9.41 St. Jean Pied-de-Port
10.58 Bayonne
11.05 Bayonne
16.03 Paris Montparnasse
18.24 Paris East
22.09 Basel SBB
Phillip sass neben mir und wir frischten den Weg auf, Erinnerungen, Erfahrungen. Es war lustig, spritzig, leicht. Nebenan sass Paul, düster, in sich gekehrt, manchmal zu uns blickend.
Es tat so gut, ihn um mich zu haben. Um uns besorgte Gesichter, erwischen wir den DGV nach Paris? Kann ich den Koffer zuvorderst haben?
Im Moment sein, vertrauen, falls ich den Zug nicht erwische, kann ich mit Phillip bis nach Paris fahren. Es wurde knapp, sehr knapp. Der Zug wartete auf uns. Ich kontrollierte nicht mehr viel, nahm an, dass es der richtige Zug war. Den Wagen 15 musste ich dann suchen. Meinen Platz, niederlassen. Sudoku lösen.
Wir fuhren noch nicht lange, da hatte der Zug eine Panne. Wir blieben hängen, mit Verspätung. Freitag der 13. Lässt grüssen – ich hatte das Gefühl, dass wir sehr oft anhielten – komisch für einen DGV. Irgend einmal ging es dann weiter. Gemütliches Mittagessen im Zug mit Sandwich etc.
Wir kamen erst um 5 Uhr in Paris an. Menschenmengen, ein Gewühle, sie hatten wieder auf gewissen Zügen Streick. Ich mischte mich unter die Menge, Etage um Etage tiefer in die Erde. Metro 4 Richtung porte de Cligncourt. Eine Pariserin plauderte mit mir, sprach mit auf die Diebstähle an, ich solle aufpassen. So gut – mein Französisch klingt.
Ich fand den Pahnhof Paris East, musste noch warten und kaufte einen doppelten Kaffee. Das Reisen machte müde. Dann hiess es nur noch den richtigen Wagen finden, den richtigen Sitz und dann kam das letzte Stück Heimreise. Sudoku, dösen, den Rest Sandwich verzehren. Dann war ich nur noch müde. Irgendwie hatte ich abgeschalten auf stand by Modus.
Letzter Akt: Bahnhof Basel aufs Tram warten – ich begegne Simon Zimmermann, er kam gerade vom Jugi, sie hatten grilliert. Daheim, Achim macht mir die Türe auf, eine grosse Umarmung.
Th, Sarah, Odysseus, Mira. Ich bin zurück. Mit letztem Aufraffen duschte ich und fiel ins Bett.










































































































































































































































































































